Sanierung des historischen Glockenstuhls ist fertig
„Umsonst erschall ich nicht. Wenn man mich höret läuten, pfleg’ ich den Gottesdienst, Feuer, Leich’ und Feind andeuten.“ Die Inschrift der großen Glocke der Seesteraner St. Johannes-Kirche, gegossen im Jahre 1668 von Hermann Benningk in Hamburg, lässt erahnen, dass Kirchenglocken in der Vergangenheit noch weitaus andere Aufgaben zu erfüllen hatten, als die Menschen zu den verschiedensten Anlässen ins Gotteshaus zusammenzurufen – weckten sie die Bevölkerung doch unter anderem bei nächtlichen Bränden oder warnten sie im Krieg vor nahenden Soldaten.
Glocken sind untrennbar mit der christlichen Kirche verbunden. Und dennoch unterscheidet ein Detail die beiden Glocken der Kirche in Seester von den meisten anderen: Sie hängen nämlich nicht in einem Turm hoch über dem Kirchenschiff, sondern in einem hölzernen Glockenstuhl einige Meter westlich des Kirchengebäudes – aus statischen Gründen, die sich vor allem in der Bodenbeschaffenheit der auf einer Warft inmitten der Marsch errichteten Kirche begründet.
Seit 1576 musste der Glockenturm mehrfach neu gebaut werden
Die Chronik der Gemeinde berichtet bereits im Jahre 1576 von einem Glockenstuhl. Die Holzkonstruktion erwies sich jedoch, der Witterung ausgesetzt, trotz mehrfacher Reparatur nicht als Dauerlösung – mehrfach musste der Glockenstuhl komplett neu errichtet werden. Zuletzt im Jahre 1896, als der Zimmermann Möller aus Spiekerhörn den heutigen Glockenstuhl erbaute – in seiner Form zwar identisch wie der Vorgängerbau und teilweise unter Verwendung der alten Querbalken aus 1819, nun aber mit Backsteinfundamenten unter den hölzernen Bodenschwellen, um der Fäulnis vorzubeugen. 130 Jahre norddeutsches Wetter hatten der Konstruktion trotz mehrfacher größerer und kleinerer Reparaturen zuletzt aber erneut so stark zugesetzt, dass eine Sanierung unumgänglich war und ein Großteil der verwitterten Hölzer ausgetauscht werden musste. Nach der Sanierung der Kirche in den Jahren 2016 bis 2018 nun mit rund 160.000 Euro erneut ein Mammutprojekt für die kleine Kirchengemeinde.
Kirchengemeinde musste lange Spenden sammeln
„Zwei Drittel der Kosten konnten durch kirchliche Eigenmittel wie Spenden, Kollekten, Zuweisungen des Kirchenkreises und der Landeskirche sowie Rücklagen der Kirchengemeinde aufgebracht werden. Weitere Finanzmittel haben die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, das Landesamt für Denkmalpflege, die Stiftung KiBa, der Denkmalfonds Schleswig-Holstein, die Tantau-Stiftung, die Gemeinden Seester, Seestermühe und Neuendeich sowie die örtliche Raiffeisenbank beigesteuert“, freut sich die Kirchengemeinderatsvorsitzende Elsbeth Kruse, dass auch dieses Projekt letztendlich erfolgreich gestemmt werden konnte, und dankt herzlich allen Förderern und Spendern.
Rund ein halbes Jahr mussten die Seesteraner nach dem Start der Bauarbeiten im September 2025 auf den Klang ihrer Kirchenglocken verzichten. Bei Gottesdiensten, Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen wurde das Glockengeläut digital eingespielt. Der Dankgottesdienst für Rettungskräfte von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten am 22. März war dann Premiere und im wahrsten Sinne des Wortes „Feuertaufe“ für den frisch sanierten Glockenstuhl.
Die erfolgreiche Sanierung wird nun gebührend gefeiert: mit einem „Glockenturm-Fest“ am Sonntag, 21. Juni in der Zeit von 14 bis 17 Uhr. Einem Festgottesdienst mit Pastor Michael Galle und musikalischer Unterstützung durch den Projektchor Seester folgt ein buntes Treiben für Erwachsene und Kinder rund um die Kirche. Eine Fotopräsentation zeigt die Geschichte und den Sanierungsverlauf des Glockenstuhls.
Quelle: Kay Stieler / Elmshorner Nachrichten






